Pump and Dump: Forscher analysieren Kursbetrug bei Nischen-Coins

Bei kleineren Kryptowährungen mit geringem Handelsvolumen kommt es häufiger zu Kursbetrug. Forscher haben sich die betrügerische „Pump and Dump“ Methode näher angesehen und ihre Ergebnisse vorgelegt.

Kryptowährungen mit geringer Liquidität sind für Kursmanipulation genauso anfällig wie Aktien mit geringer Liquidität. Bereits im Februar des vergangenen Jahres veröffentlichte die Commodity Futures Trading Commission eine Warnung vor sogenannten Pump and Dump Aktionen. Die Forscher Jiahua Xu und Benjamin Livshits vom Imperial College London haben sich diese Masche näher angesehen und ihre Forschungsergebnisse nun veröffentlicht. Darüber berichtete unter anderem das Technology Review.

Was ist Pump and Dump

Die Pump and Dump Masche entstammt dem Technology Review zufolge den Rohstoffmärkten. Alles beginnt mit einem einzelnen Marktteilnehmer, der eine illiquide gehandelte Kryptowährung willkürlich auswählt und darin Bestände anhäuft. Anschließend gibt er über anonyme Kanäle wie zum Beispiel Telegramm bekannt, dass eine Pump Operation geplant sei. Dies ist ein gemeinsamer Kauf, der einzig und allein dazu dient, den Kurs zu pushen. Zu diesem Zeitpunkt gibt der kriminelle Marktteilnehmer noch nicht bekannt, um welche Kryptowährung es sich handelt. Er lässt täglich verlautbaren, zu welchem Zeitpunkt dies bekannt gegeben wird.

Zum kommunizierten Zeitpunkt wird über verschiedene Kanäle dann die Kryptowährung bekannt gegeben. Andere Markteilnehmer, die sich in der Hoffnung auf Gewinne der Pump Operation anschließen, kaufen deshalb sofort genau diese Kryptowährung. Dies führt bei einem illiquide gehandelten Coin zu einem schnellen und starken Kursanstieg.

Da dieser jedoch nicht von Dauer ist, folgt dem Anstieg der Absturz. Bei solchen Aktionen wird Vermögen umverteilt. Gewinnen tut derjenige, der die besten Informationen hat – in diesem Fall der Anleger, der sich zuerst eingedeckt und anschließend die Pump Operation in die Wege geleitet hat. Einige weitere Teilnehmer der Operation können gewinnen, viele werden jedoch zum Teil herbe Verluste erleiden. Wie weit genau die Kurse steigen und wann es zum unvermeidlichen Verlust kommt, ist vom Zufall bestimmt bzw. lässt sich nicht vorhersehen. Vom Pump bis zum Dump dauert es oft nur wenige Minuten.

Dass der Initiator einer Pump Operation genügend Mitstreiter findet, ist bedauerlich, kann aber kaum verwundern. Zu viele Menschen glauben, mit solchen Tricks leichtes Geld verdienen zu können. Die Forscher gehen davon aus, dass es durchschnittlich zwei Operation pro Tag gibt. Diese erzeugen demnach pro Monat ein Handelsvolumen von rund 7 Millionen USD.

„Der erste Kaufauftrag wurde innerhalb 1 Sekunde erteilt“

Jiahua Xu und Benjamin Livshits nahmen eine einzelne Pump Operation vom 14. November 19:30 Uhr unter die Lupe. Dazu wurden zunächst Ankündigungen über Telegramm dokumentiert. Einer der Telegramm Kanäle ließ um 19:30 Uhr und 4 Sekunden verlauten, dass ein Coin namens BVB Gegenstand der Pump Operation sein sollte. Der nahezu unbekannte Coin wurde im Jahr 2016 durch Anhänger von Borussia Dortmund ins Leben gerufen. Es fand nahezu kein Handelsvolumen statt, der Kurs lag im extrem niedrigen Bereich von 35 Satoshi (die kleinste Einheit der Bitcoin Währung).

Den Forschern zufolge wurde innerhalb 1 Sekunde nach der ersten Ankündigung der erste Kaufauftrag erteilt. Nach gerade einmal 18 Sekunden erreichte der Kurs des Coins 115 Satoshi und damit bereits seinen Höhepunkt. Kurios: Auf einem anderen Kanal war 19 Sekunden später als im ersten Kanal bekannt gegeben worden, welche Kryptowährung gepusht werden sollte. Wer sich auf die zweite Meldung verließ, konnte somit nicht einmal theoretisch Geld verdienen. Wenige Sekunden entscheiden somit über Gewinn oder Verlust.

Anleger sollten sich von dubiosen Ideen wie Pump and Dump strikt fernhalten. Das Risiko, betrügerischen Machenschaften auf den Leim zu gehen und damit große Verluste zu erleiden, ist hoch. Besser ist es, vor einem Kauf das Volumen an verschiedenen Kryptobörsen zu sondieren und nur in liquide Coins zu investieren – hier ist das Risiko geringer. Bei den großen Coins wie Bitcoin, Ethereum oder Ripple spielt Pump and Dump in der durch die Forscher analysierten Version keine Rolle.

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